Zusammenarbeit zwischen beiden Händen Gottes
von Peter Young
"Ich werde einen Stellvertreter auf der Erde einsetzen."
Koran 2:30
Dieses Referat befasst sich mit dem Jetzt. Wir wissen, dass die Erde in eine Periode raschen Klimawandels eingetreten ist, dessen Geschwindigkeit es noch nie gab, außer nach einer größeren Katastrophe wie zum Beispiel einem Meteoriteneinschlag. In den letzten Jahrzehnten wurde uns die wechselseitige Abhängigkeit aller Lebewesen bewusst gemacht, dass Ökosysteme zerbrechlich sind, und dass unser Handeln und unser Lebensstil globale Auswirkungen haben. Nun werden wir gezwungen, uns selbst und unser Handeln im Licht der intrinsischen Einheit dieses globalen Systems anzuschauen, in welchem wir, die Menschheit, eine solch wichtige Rolle spielen. Sind wir für die Erde als Gesamtheit zur Katastrophe geworden? Versucht der globale Organismus das Gleichgewicht wieder zu gewinnen, indem er Fieber erzeugt, um den Feind in seinem Innern zu schwächen oder zu vernichten? Es scheint jetzt an der Zeit zu sein, sich an den wirklichen Platz des Menschen zu erinnern, wo er weder krank ist, noch eine Krankheit für den Rest der Welt bedeutet.
Dieses Referat handelt von dem Menschen, der auf die beste Art und Weise eingerichtet ist und dann in die tiefste Tiefe hinab gebracht wurde, der über all die Schönheiten der Existenz verfügt und einen Auftrag hat, den er erfüllen muss. Dieses Referat handelt vom Menschen, dem Stellvertreter, dem Rang der Stellvertreterschaft, und ihrer hohen Stufe hier an diesem Punkt der tiefsten Tiefe. Es handelt auch von der Kollektivität der Menschheit, der Möglichkeit unserer bewussten Mitwirkung an dieser Kollektivität und dem großen Wohl, das daraus hervorgehen kann. Wir behaupten, dass solche Mitwirkung der einzige Weg der Menschheit vorwärts ist, um ihre Bestimmung und Vervollkommnung zu erreichen.
Es ist schon spät und wir haben gemeinsam einen langen Weg auf der Straße der Selbst-Existenz zurückgelegt. Gemeinsam sind wir Reichtum, Sicherheit und Glück in materiellen Dingen nachgejagt und haben dabei vergessen, dass diese Güter weder dauerhaft sind, noch befriedigen. Die einzige Befriedigung, die wir so finden konnten, ist der vergängliche Schein, ein illusorisches Ziel zu erreichen. Wir sind wie hungrige Gespenster, die entweder ein weiteres Phantommahl verzehren müssen oder uns der Angst vor unserer Leere und der Leere unserer Sehnsüchte stellen müssen. Können wir eingestehen, dass die Illusion nicht befriedigt, und können wir gleichfalls eingestehen, dass die Illusion, die wir selber sind, nicht befriedigt werden kann?
In weiten Teilen der Erde sind wir durstig und hungern. Die Regenfälle bleiben aus und Ströme werden zu Rinnsalen schon ehe sie das Meer erreichen. Wir haben tief unter unseren Füßen in den Felsen gebohrt und fossiles Wasser zur Bewässerung unserer Felder empor gepumpt. Jetzt versalzen unsere Felder. Einige von uns haben das fossile Wasser getrunken. Wir wussten nicht, dass es Arsen und Fluor enthielt und jetzt sterben wir. Inzwischen steigt der Meeresspiegel, und noch viel mehr von uns werden ertrinken, oder vertrieben werden und verhungern.
Es kann nur wenig Zweifel geben, dass diese Probleme das Ergebnis davon sind, dass wir den Pfad der Selbst-Existenz beschritten haben. Trotzdem, wir sind zuversichtlich, dass sie zugleich Hinweise zu einer anderen Möglichkeit sind, eine andere Weise, uns selbst zu kennen, und dass durch diese andere Sicht wirkliches und effektives Handeln folgen kann. Wenn es ein Problem gibt, muss es auch eine Lösung geben und die Lösung muss von der WIRKLICHKEIT SELBST kommen.
An dieser Stelle benötigen wir ein metaphysisches Fundament für unser Verständnis, ein Fundament, das in der EINHEIT der EXISTENZ gegründet ist und in seinem Bezugssystem des Menschen ursprüngliche Bestimmung einschließt. Wenn EXISTENZ absolut eins ist, dann ist die Vielheit, die wir zu sehen scheinen, nichts anderes als die EINE EXISTENZ, die SICH SELBST in verschiedenen, aber nicht existierenden Spiegeln widerspiegelt, die IHRE eigenen Potenziale des SELBST-AUSDRUCKS sind. Unsere wirkliche Bestimmung in der Existenz ist dann letztlich identisch mit dem, was wir sind, nämlich ein Platz der Reflexion, in dem sich die EINE WIRKLICHKEIT selbst anschaut, als ob sie in einen Spiegel schaute.
Allein und als ich selbst kann ich nichts tun, weil ich in solcher eingebildeten Trennung mich selbst nicht kenne, und folglich kenne ich nicht die WIRKLICHKEIT. Ich sehe mich selbst als separat existierend, während das WIRKLICHE SICH SELBST als die EINE und EINZIGE EXISTENZ kennt, das wirkliche Sein sogar von all denen, die glauben, andere zu sein. Wie könnte ich überhaupt etwas tun, ohne von mir aus zu wissen, was eben die Ordnung des Seins ist?
Und wenn nun eine Gruppe von uns zusammen kommt, um zu entscheiden, was zu tun ist, wie wird das anders sein? Wird es nicht wahrscheinlich eine noch konfusere Situation sein? Wird das nicht eine Ansammlung von 'Selbsts' sein, die ihre Realität nicht kennen, aber sich einbilden, dass sie über eine intelligente und wirkungsvolle Vorgehensweise entscheiden können? Unwissenheit wird hier wahrscheinlich so viel Mal verschlimmert, wie Menschen anwesend sind.
Aber unterstellen wir dann nicht, dass gute Ergebnisse unmöglich von einer Person oder einer Gruppe von Menschen kommen können, die sich selbst nicht kennen? Keineswegs, denn die Tatsache, dass das WIRKLICHE gegenwärtig ist und die Realität der Person oder der Versammlung ist, hängt nicht davon ab, dass sich diese Menschen selbst kennen. Gute Ergebnisse können eintreten, wenn GOTT es will, trotz der Unwissenheit der Teilnehmer. Ich kann oder wir können trotz unserer Unwissenheit über uns selbst für die eigenen Ziele der WIRKLICHKEIT eingesetzt werden.
Wir sind sicher, dass alles Gute von der EINEN und EINZIGEN WIRKLICHKEIT kommt - etwas anderes als SIE gibt es nicht - und dass in gleicher Weise alles Gute zu IHR zurückkehrt. Wir sind auch sicher, dass wir, der Mensch, nach dem Abbild des EINEN und EINZIGEN gebildet sind und keine andere Existenz haben als durch den EINEN. Was anderes als der EINE ist, ist meine Illusion. Der Illusion kann unmöglich wirklicher Nutzen zukommen. Kein wirklicher Nutzen könnte mir als separater Entität zukommen. Jeder wirkliche Nutzen, der mich erreicht, sei es Wissen, Fähigkeit oder Wohlstand, ist nicht für mein 'Ich', sondern für den Menschen, für die Menschheit, und ich habe kein anderes wirkliches Sein als diese.
Vom Gesicht des Einsseins der Menschheit aus fährt dieses Referat nun fort. Einssein ist von unendlicher Weite und hat in sich ohne Enge Raum und Umfang für jeden von uns, für all die Milliarden Individuationen, die jetzt leben, und alle unsere Vorfahren und Nachkommen. In dieser Ebene des Einsseins ist ein jeder von uns Mensch in genau derselben Weise wie jeder andere. Jeder von uns hat die gleiche Struktur. Wir sind, genau wie es Ibn 'Arabi in dem Kapitel von Adam im Fusus al-Hikam (Weisheit der Propheten) beschreibt, ein absoluter Platz von Manifestation mit allen Realitäten hoch und niedrig, mit allen Namen Gottes, ein Wesen fähig zu erkennen, zu lieben und geliebt zu werden, geschaffen für eine Bestimmung, mit einem Willen ausgestattet, ohne den wir nicht Mensch wären oder fähig zu lieben oder unsere Bestimmung zu erfüllen oder der WIRKLICHKEIT das vollständige Abbild zu sein. Aber auf der Ebene der Unterschiede zwischen den Menschen sind sehr wenige von uns der Mensch, der Stellvertreter, der alleine fähig ist, wahrhaftig zu handeln.
Diese Ebene des Einsseins der Menschheit ist jedoch, obwohl sie dies auf der Ebene unserer manifesten Unterschiede nicht offensichtlich ist, auch kein völliges Geheimnis. Sobald jemand aus unserer Reichweite tritt und wir nicht mehr sehen können, wer es ist, nehmen wir ihn oder sie lediglich als menschliches Wesen wahr, nach dem Bild des Menschen. Aber die Ebene des Einsseins des Menschen wirklich zu kennen, geht über das Eingeständnis hinaus, dass jeder von uns nach dem Bild des Menschen ist, ein Mitglied der gleichen Gattung. Es ist das Wissen, dass der Mensch eine singuläre Realität ist, die sich als ich selbst manifestiert. Das Wissen, das ich hier von mir habe, ist das Wissen, das der eine Mensch von sich selber hat.
In diesem Wissen ist das Wissen von der Rolle des Menschen in der Seinsordnung inbegriffen. "Ich werde auf der Erde einen Stellvertreter einsetzen." Stellvertreterschaft schließt die Fähigkeit ein, mit allen Namen Gottes zu handeln, wie es notwendig ist, um für die Welt und alle ihre Bewohner der WIRKLICHKEIT eigener Arm zu sein. Handeln von dieser Ebene ist wirkliches Handeln. Und vielleicht ist Handeln, das nicht von dieser Ebene kommt, überhaupt kein Handeln. Daher muss jeder wirkungsvolle Wandel von der Stellvertreterschaft kommen. Der Mensch, der Stellvertreter, ist "zwischen beiden Händen Gottes geformt" und folglich fasst er alle GÖTTLICHEN und aktiven Realitäten zusammen mit den Realitäten des Empfangens, die die Realitäten der Welt und der Geschöpfe sind. Aufgrund dieser Tatsache ist der Mensch ein vollständiger und alles umfassender Platz der Manifestation, und ihretwegen verdient er 'der Stellvertreter' genannt zu werden. Er vereinigt gleichzeitig diese zwei Seiten und teilt sie, indem er auf jeder Seite das bewahrt, was zu ihr gehört, genau so wie GOTT, dessen vollständiges Abbild er ist, sowohl SCHÖPFER als auch Geschöpf ist. Lasst uns aber niemals dem SCHÖPFER zurechnen, was zur Schöpfung gehört oder umgekehrt. Der eine und vereinigte Mensch kann dank der Kraft der GÖTTLICHEN Seite handeln, während er aus seiner geschöpflichen Seite empfänglich ist und Handlung erfährt. Hier ist also weder Fähigkeit noch Unfähigkeit oder beides zusammen, Fähigkeit und Unfähigkeit. Hier ist Handeln das eigene Handeln GOTTES und nicht das des Menschen, aber wer anderes als ER ist der Mensch? Hier, wenn der Mensch handelt, ist es GOTT der handelt, und der Mensch - im Wissen, dass GOTT alleine der einzige HANDELNDE ist - ist in vollständiger Unfähigkeit.
In der Stellvertreterschaft realisiert zu sein bedeutet, in das Wissen vom Einssein des Menschen erhoben zu sein. Dies ist der Rang des einen Selbst, das dasselbe ist wie alle 'Selbsts'. Er enthält in sich die Realitäten von allem. In dieser Weise hat der Stellvertreter eine Verfügungshoheit über andere, dadurch, dass er dasselbe ist wie sie, nicht dadurch, dass er anders ist. Und wenn an anderen gehandelt wird, ist es in Wirklichkeit der Stellvertreter, der betroffen ist. Deshalb hat uns der Stellvertreter informiert: "ICH war hungrig und ihr habt MICH nicht gespeist." Und: "ICH habe euch gebeten und ihr habt MIR nicht gegeben." Auf seiner Ebene gibt es nur das EINE SELBST und dieses ist in jedem Selbst manifestiert.
Hier geht es um mehr als einfach nur ein metaphysisches Verständnis, denn hier ist impliziert, dass die verborgene Realität des Dialogs zwischen Menschen auf der Ebene des einen Selbst des Menschen liegt. Hier spricht das eine Selbst des Menschen mit dem einen Selbst des Menschen zu dem Zweck, zu erkennen. Hier sitzen wir Dialogteilnehmer zwischen den beiden Händen GOTTES, zwischen den GÖTTLICHEN Attributen, die die eine Hand sind, und den Realitäten der Empfänglichkeit, der anderen Hand. Wir sitzen zwischen Wissen und Nichtwissen: wissend, was wir wissen, und nicht wissend, was wir nicht wissen. Wir identifizieren uns weder mit dem, was wir wissen, noch mit dem, was wir nicht wissen. Wir identifizieren uns nur mit dem nicht-existierenden Punkt, der dazwischen liegt, halten dort an unserer eigenen Nicht-Existenz fest und erlauben so dem WIRKLICHEN, beide Seiten zu sein, die von Handeln und notwendigem So-Sein und die von Empfangen und Möglichkeit. Das WIRKLICHE ist sowohl, was bekannt ist, als auch was erst noch bekannt werden muss. Wir warten, bis GOTT uns wissen lässt, was es zu wissen gibt. Bei jenen, die hier verharren, ist jegliche Handlung, die von ihnen auszugehen scheint, nicht ihre eigene Handlung; oder, vielleicht besser, ihr Handeln ist GOTTES eigenes Handeln.
"Nachdem ER ihn geschaffen hatte, zeigte GOTT Adam alles, was ER in ihn hinein gelegt hatte und hielt es alles in SEINEN beiden Händen ..." (Fusus; Adam). In der einen Hand waren all die Realitäten seiner Nachkommen, und in der anderen die Realitäten der Welt, all die Empfänglichkeiten von den hohen zu den niedrigen. Als nun Adam seine Nachkommen gezeigt wurden, wurde ihm die im Einssein seines eigenen Selbst inbegriffene Vielzahl gezeigt. Deshalb kennen wir, die wir niemand anders als Adam sind, auch potenziell den wirklichen Platz unserer Vielzahl innerhalb des Einsseins des Menschen. Wir können dieses latente Wissen verwirklichen, indem wir der logischen Folgerung aus dem Gebot "Erkenne dich selbst!" nachgehen. Sie heißt: "Erkennt euch selbst!"
Mit anderen Worten: Oh ihr, wisst, dass ihr nach MEINEM WISSEN von MIR SELBER und dem Wissen MEINES vollkommenen Dieners von sich selber und von MIR niemals aufgehört habt, ein Selbst zu sein, obwohl ihr viele Menschen seid. Jetzt wisst auch ihr das, Oh Menschheit, dass ihr zugleich Einer und Viele seid. Ihr seid von EINEM und kehrt zurück zu EINEM. Kehrt jetzt zum Wissen vom EINEN zurück bevor ihr zurückkehrt zum SEIN des EINEN. Sterbt, bevor ihr sterbt!
Was gibt es, das uns davon abhalten könnte, uns selbst als eine Realität zu kennen? Wenn wir mit uns selbst identifiziert sind, dann werden wir nichts anderes sehen als 'wir und sie'. Selbst-Interesse ist dann für mich der verschleiernde Faktor und mein an sich selbst interessiertes Selbst muss sich selbst schützen. Es gibt zwei Waffenmeister in meinem Kastell, die ich gewöhnlich voll einsetze, und ihre Namen sind Hoffnung und Angst! Angst, dass ich bloßgestellt oder gar vernichtet werde und die Hoffnung, dass das nicht geschieht! Beide müssen neu auf den Dienst für die EINE WIRKLICHKEIT ausgerichtet werden und müssen stattdessen zu Ehrfurcht angesichts der ERHABENHEIT und Gewissheit in der BARMHERZIGKEIT werden. Dies geschieht durch einen essenziellen Erziehungsprozess, in dem der Mensch durch die Erkenntnis der Gewissheit in dem EINEN SELBST von der Dominanz des 'Ich'-Gedankens befreit wird. Lasst uns aber nicht unsere Kapazität zur Selbsttäuschung unterschätzen, die wir zu teilen scheinen. Wenn wir die Tatsache unseres drohenden Todes wahrhaft akzeptiert hätten, sähen wir die Dinge jetzt schon vollständig klar. Nur der physische Zustandswechsel bliebe, der noch an irgendeinem Punkt in der Zukunft stattfinden müsste. Ein Tod vor dem Tod dieser Art ist das Auflösen meiner illusorischen, auf Vermutungen beruhenden Selbst-Existenz, so, wie Schatten verschwinden, wenn das Licht angeht. Hier ist die Gabe der Freiheit, der Wahrheit ohne mit den Wimpern zu zucken direkt ins Auge zu sehen. Von der Angst vor dem Tod befreit, stellt sich hier die Freiheit ein, in Antwort auf das Notwendige zu handeln. Paradoxerweise verleihen Freiheit von der Angst vor dem Tod und das Aufgeben der Hoffnung auf eine imaginäre Zukunft mit größerer Wahrscheinlichkeit langes Leben, weil man nicht länger mit der Aufgabe, das Selbst zu erhalten, belastet ist! Vielleicht ist man jetzt sogar in besserer Übereinstimmung mit der ursprünglichen Liebe der WIRKLICHKEIT, manifestiert und bekannt zu werden. Man ist jetzt frei, ganz für das WIRKLICHE da zu sein, jetzt, wo man nicht mehr zwanghaft mit der Sorge um sein Selbst beschäftigt ist.
Wir nehmen unseren Platz ein zwischen der Unwissenheit des Selbst und der Selbst-Erkenntnis des Stellvertreters. Seit wir bestimmte, wesentliche Kunde über unsere Realität gehört haben und eine esoterische Erziehung begonnen haben, sind wir nicht mehr in der Lage, Unwissenheit über unsere Realität geltend zu machen, aber genauso wenig beanspruchen wir Wissen darüber. Wir beanspruchen nur ein Bestreben, zu dienen und in das Wissen über uns selbst in der GEGENWART des EINSSEINS erhoben zu werden. Wir wissen ohne allen Zweifel, dass jede Hilfe und Führung durch diese GEGENWART kommt. Lasst uns der Klarheit wegen feststellen, dass dieser Platz dazwischen nicht der gleiche ist wie das Dazwischen-Sein des Stellvertreters, denn hier sind wir zugegebener Maßen immer noch durch unsere Unwissenheit von uns selbst gefärbt, eine Tatsache, die wir demütig anerkennen. Folglich wird unser Platz 'dazwischen' durch das Ausrichten auf die WIRKLICHKEIT wahr.
Generell erscheint das Einssein des Menschen nicht in der Manifestation. Diese geheime Realität der Menschheit bleibt hinter den Kulissen verborgen. Trotzdem ist sie der Pol, um den sich alle menschliche Interaktion dreht. Welchen Unterschied macht es aus, ob wir dieses einen Pols im Zentrum all unserer Bewegung gewahr sind? Ob sie uns durch Sehen oder nur durch Gewissheit präsent ist, es geht darum, ihrer bewusst zu sein und empfänglich für die Führung, die aus dieser einen Quelle kommt. Es geht auch darum, uns unserer wesentlichen Identität mit ihr und unserer Abhängigkeit von ihr bewusst zu sein. Durch Bewusstheit ist unsere Orientierung der wirklichen Ordnung des Seins näher. Wir befinden uns in der Lage wie jener Mann, der unter dem Eindruck gestanden hatte, er sei ein Selbstständiger und der dauernd versuchte, herauszufinden, was zu tun war und wie er sein sollte. Dann entdeckt er, dass er Angestellter ist. Er ist nun von jeder anderen Verantwortung entlastet, außer der, auszuführen, was sein Arbeitgeber ihm aufträgt. Und, wenn er nicht weiß, was das ist, muss er es durch Fragen herausfinden.
Die Natur dieses Verhältnisses ist die eines Teils zum Ganzen. Es ist das Verhältnis einer beliebigen Zahl zur Eins oder das eines Musikers zu einem Orchester. Als einzelne Menschen sind wir so auf die eine Realität bezogen und es ist eine Beziehung der Ordnung nach, nicht eine Beziehung zwischen Wesen. Ausrichtung auf diese Ordnung ist die notwendige Bedingung für das, was folgen muss, nämlich das zum Vorschein zu bringen, was bekannt werden soll. Und was bekannt werden soll, ist, kurz gesagt, das verborgene Geheimnis des Einsseins des Seins und dies kann abhängig davon, wie die Frage lautet, die angesprochen wird, viele Formen annehmen. Und wenn eine Anzahl von Menschen die gleiche Frage stellt, und wenn sie an die Quelle aller Hilfe gerichtet wird, auch wenn sie scheinbar einander gestellt wird, ist es für das, was bekannt werden soll, eine bessere und größere Chance, bekannt gemacht zu werden. Während wir noch zwischen Unwissen und Wissen von uns selbst sind, repräsentiere ich alleine ja nur mich selbst, aber zusammen mit anderen können wir die Realität der Kollektivität der Menschheit so abbilden, wie sie in der Gegenwart des Einsseins ist, noch nicht realisiert, aber bereit dazu. "Denn wo zwei oder drei in MEINEM NAMEN versammelt sind, da bin ICH mitten unter ihnen." Matthäus 18,20
Es gibt einen Unterschied dem Rang nach zwischen dem Individuum, das überlegt, zu einem Schluss kommt und handelt und einer Gruppe von Menschen, die übereinkommen, sich gemeinsam zu beraten. Der Unterschied liegt in der Bewegung des Einbeziehens, vom eigenen Ratschluss alleine zu dem auch von anderen. Dieser Impuls, sich über eine Sache gemeinsam zu beraten, ist immer von einer höheren Ordnung als die Befehle eines Einzelnen, weil darin ein stilles Eingeständnis der Begrenztheit des einzelnen Individuums liegt. In ihm liegt implizit eine Bitte um Führung, eine Art von Führung in kollektiven oder globalen Dingen, die nur zustande kommen kann, wenn eine Anzahl von Menschen versammelt ist. Die Wirklichkeit der Kollektivität ist die Gegenwart des Einsseins des Menschen und diese Gegenwart ist sogar Realität und Ziel der Demokratie. Das wahre Ziel der Demokratie ist nicht Volksherrschaft, sondern die Herrschaft der WEISHEIT durch das Volk. Es ist nicht der Triumph der Mehrheitsmeinung, sondern die Unterwerfung aller Meinung darunter, was WEISHEIT erfordert. Hier bietet sich die Kollektivität als ein kollektiver aber einziger Spiegel an, in dem die WEISHEIT erscheinen kann, wenn SIE es wünschen sollte.
Wenn wir dienen wollen, können wir gemeinsam die Gegenwart von Kollektivität hier in der Welt genau so abbilden, wie sie in der GEGENWART des EINSSEINS ist. Was ist diese Welt anderes als die Gegenwart, in der die Unterschiede zwischen den Dingen als sie selbst erscheinen? Und was sind diese Unterschiede anderes als die Vielzahl der Ausdrucksmöglichkeiten innerhalb der Unendlichkeit des EINSSEINS? Zusammen können wir zwischen GOTTES beiden Händen an der vollkommenen Abbildung des Einsseins des Menschen arbeiten, damit sich Einssein hier tatsächlich als die einzelne Realität unserer vielfachen Realitäten manifestiert. Die Manifestation der GEGENWART des EINSSEINS inmitten der Differenzen geschieht als Gnade für jene Differenzen, und das Eigentum an aller Vielheit und Differenz wird für die eine und einzige Wirklichkeit des Menschen wieder hergestellt. Es muss auf einer globalen und kollektiven Ebene erst noch manifestiert werden, dass sich das Eine durch die Vielen und die Vielen durch das Eine gleichermaßen sehen und gesehen werden, und es ist sicher, dass wir, die Menschheit, uns auf diese Verwirklichung hin bewegen müssen.
Wir erwähnten am Anfang dieses Referats eine globale Krise, die sich sowohl im Klimawandel als auch bei der Trinkwasserversorgung der Welt zeigt. Es wäre ein Fehler, diese Fragen schlicht als 'grüne' Fragen zu betrachten, denn sie sind im Grunde spirituelle Fragen. Spiritualität kann nicht nur auf bestimmte Bereiche menschlicher Beschaffenheit beschränkt werden. Sie schließt alle Aspekte unseres Lebens ein, weil wir, die Menschheit, spirituelle Wesen sind. Wir kommen mit einer spirituellen Bestimmung in die Existenz und ob wir diese Bestimmung bejahen oder ablehnen, unser Handeln ist spirituelles Handeln, ob wir es mögen oder nicht. Ob wir die Wahrheit vertuschen oder aktiv nach ihr streben, es ist eine spirituelle Wahl, die spirituelle Konsequenzen hat. Und wenn die Probleme, denen wir gegenüberstehen, dem Ursprung nach spirituell sind, dann gibt es auch spirituelle Lösungen für sie. Im Grunde ist ein Problem lediglich eine Lösung, die sich uns selbst anbietet, und erkannt werden will.
Was Trinkwasser anbetrifft, kennen wir alle die Überlieferung, die sich sowohl im Matthäusevangelium findet als auch in den Worten GOTTES, die der Prophet übermittelt hat: "Ich war durstig und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben...". Es kann kein Zweifel bestehen, dass dies eine Situation ist, die angegangen werden muss und dass sie nicht allein durch Technik angegangen werden kann. Es handelt sich möglicherweise um die allerschwierigste Situation, vor der die Menschheit steht, dicht gefolgt von unvermeidlichem Nahrungsmangel, der auf Dürre folgt. Wie kommt es, dass wir auf diesem wässrigen Planeten vom Wasser umgeben sind, es aber für Millionen von Menschen kein sauberes Trinkwasser gibt? Wasser ist gleichbedeutend mit dem Leben selbst und ist eine direkte Manifestation der universellen Qualität von LEBEN für uns. In unserem natürlichen Bedürfnis für Wasser sind wir eins mit jedem Lebewesen, und wer ist wirklich das Selbst dieser Bedürftigen? Unsere Versuche, Wasser durch unsere eigenen Anstrengungen zu finden und nutzbar zu machen, haben jedoch schlicht zur Verknappung natürlicher Ressourcen geführt. Wir haben versucht, uns selbst zu versorgen und das Erfordernis des spirituellen Bemühens um Abhängigkeit vom WIRKLICHEN zu beseitigen und uns obendrein die praktische Anstrengung zu ersparen, Verschwendung zu reduzieren. Wir haben unserer besonderen Bestimmung den Rücken gekehrt, die uns übergebenen Werkzeuge für unsere eigenen Zwecke benutzt und so die Tür zu unseren inneren Welten verschlossen und zur Kontemplation der spirituellen Geheimnisse, die in unser tägliches Leben strömen. Gemeinsam müssen wir wieder Abhängigkeit und Vertrauen erlernen und wissen, dass Nahrung selbstverständlich aus der rechten Hand Gottes kommt. 'Gott ist ausreichend für mich' und für all meine Bedürfnisse.
Und der Klimawandel? Wir werden uns unvermeidlich mit ihm verändern. Man kann ihm sicher nicht entgegentreten, außer durch das Schaffen von Bedingungen, die ihn nur beschleunigen, wie das Aufstellen eines Kühlschranks in der Wüste. Wir können ihn aber auch bewusst als den eigenen Versuch der NATUR akzeptieren, das Gleichgewicht wieder herzustellen und in diese Ausgleichsbewegung einwilligen. Als menschliche Organismen sind wir ein Teil der NATUR und werden von der NATUR regiert. Wir wären Narren, dagegen zu halten und würden uns besser an das erinnern, was uns Ibn 'Arabi sagt, dass dem Menschen, der weiß, dass die NATUR dasselbe ist, wie das SELBST der BARMHERZIGKEIT wahrhaft große Güte zuteilgeworden ist. Was also bleibt, ist, mit der NATUR zusammenzuarbeiten, nicht um sie auszubeuten oder ihr zu widerstehen, sondern um sie zu respektieren und ihre Gaben durch das Bewusstsein zu schätzen, dass sie nichts anderes ist als das SELBST der BARMHERZIGKEIT. Wenn sie versucht, das Gleichgewicht wieder herzustellen, lasst uns das auch tun, indem wir selbst zu spiritueller Balance zurückkehren. So werden wir eins sein mit der NATUR und nicht ihr Gegner.
Zusammenfassend: Wandel beginnt mit unserer eigenen Perspektive davon, wer und was wir sind und warum. Das ist nicht ein rein theoretisches Wissen, sondern das Annehmen einer Idee, die der WIRKLICHKEIT ein vollkommenes Abbild ist. Diese Idee ist wegen ihres URSPRUNGS und wegen dem, was sie abbildet, wirklich und wird in uns wirksam. Sie ist die Quelle allen Wandels, denn sie ist das EINSSEIN des MENSCHEN und unsere Fähigkeit, Vollkommenheit zu erlangen. Es ist an uns, uns im Schatten des Baums der Vollkommenheit des Menschen versammeln zu lassen, ohne jeden Anspruch auf eigene Vollkommenheit, aber, willig uns von ihr informieren und führen zu lassen. Und mögen wir in diesem Streben, durch diese Arbeit, zu der Ebene des Sehens aufsteigen, wo alle Vielheit gesammelt ist, dem Platz des Gleichgewichts und des Dazwischen-Seins, vollkommen zwischen den beiden Händen Gottes positioniert, einem Platz völliger Nicht-Existenz, es sei denn die Existenz der EXISTENZ selber, hier in dieser Welt abgebildet und die verborgene Realität von uns allen.
GOTT weiß es am besten!
